„Geht es Ihnen gut?“ – „Vielleicht...“ Über 100 Flüchtlinge machen bei den Deutschkursen der Flüchtlingshilfe mit

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Erfahrungsbericht von Ehrenamtlichen

 

Vier bis fünf „Lehrer“, die sich in einem Kurs abwechseln - das geht. Wir Ehrenamtlichen, vier Frauen und ein Mann, machen den ersten Kurs, den die Flüchtlinge vor Ort seit Ende September belegen können. „Deutschkurs für Asylbewerber“, sogenanntes Thannhauser Modell. So heißt die Lernbroschüre. Die Asylbewerber kaufen sie für 5 Euro. Oft stehen unter den Sätzen englische Untertitel. Aber Englisch wollen sie schon weniger hören, jetzt nach zehn Wochen. Außerdem können nicht alle gleich gut Englisch. „Bitte auf Deutsch sagen!“ heißt es jetzt schon oft. Die Zahlen bis 100 waren da, die Uhrzeiten auch – aber „pünktlich“ ist noch immer ein sehr deutsches Wort. Manche kommen ab und zu eine halbe Stunde später. Oder überhaupt nicht. Wir fragen dann nach – und das macht Eindruck. Sie merken: Es ist uns wichtig, dass sie vorankommen. 

 

 

Und den meisten ist es auch selbst wichtig. Neulich traf meine Frau einen von ihnen auf der Straße. Er hatte schon einen kleinen Job, für ein paar Euro am Tag: Straße kehren und so. Laut sagte er: „Hallo, Lehrer (!), wie geht es Ihnen...?“ 

„Mir geht es gut“ – dieser Satz im Buch kam einigen erst mal schwer über die Lippen. Manche haben noch Mord und Totschlag vor Augen, oder das Mittelmeer.... Ein Flüchtlinger musste aus seinem Dorf fliehen, weil er körperlich seit Geburt behindert ist. Er wurde diskriminiert. Als nach den Eltern auch noch seine letzte Verwandte starb, die Großmutter, war er in Gefahr und musste versuchen, in einer Stadt unterzukommen. Ein anderer steht noch unter Schock wegen der blutigen Kämpfe, er muss manchmal früher aufhören mit dem Unterricht. 

 

Die Leute sagten am Anfang lieber: „Es geht mir vielleicht gut.“ Aber jetzt haben die meisten immerhin eine Perspektive. Viele bekamen eine vorläufige Aufenthaltserlaubnis. Weit über 100 Flüchtlinge stürzten sich in unsere mehr oder weniger provisorischen Deutschkurse. Mittlerweile wissen sie, was Mann, Frau, Kinder, Tisch und Stuhl, Mütze und Schal, Hausarzt und Medikamente, Winter und Schnee bedeuten. Neulich gab es in unserem Kurs einen Wettbewerb, wer das schwerste Wort aussprechen kann: „Schneeballschlacht“. Noch schwerer ist „Frühling“ – denn das darf man nicht wie „Fruhling“ sprechen. „Schwere Sprache“ – das lässt sich auch schwer aussprechen.

 

Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan usw. haben besonders Chancen, hier bleiben zu dürfen. Das hat auch das Landratsamt beherzigt. Es hat vielen solchen Flüchtlingen spezielle Intensivkurse in Bruchsal ermöglicht. Es gibt für einige sogar Intensivkurse in Karlsruhe. Ohne Deutsch keine richtige Integration, ohne Deutsch keine Jobs mit Zukunft. Deshalb packen auch in Bad Schönborn Dutzende von ehrenamtlichen „Lehrerinnen und Lehrern“ an. 

 

Eike Schmidt-Lange

 
 

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